Wisskomm Spotlight Nº 01
Erfahrungsbericht
Christina Ayazi
Nº 01 · Ein Magazin aus verschiedenen Blickwinkeln

Was Führungskräfte von Lama Bakim lernen können

Ein Lama ignoriert Titel und Hierarchien und reagiert nur auf Körpersprache. Ein Training der Berlin Leadership Academy nutzt das, um wissenschaftlichen Führungskräften ihr eigenes Kommunikationsverhalten bewusst zu machen.

Zeichnung im Cartoonstil: Fünf Menschen stehen in einer Reihe, neben jedem ein Lama oder Alpaka, im Hintergrund Bäume.
Fünf Teilnehmer*innen, vier Lamas und ein Alpaka: Begegnung auf dem Hof, als Cartoon nachgezeichnet.
Bild: Christina Ayazi, bearbeitet mit ChatGPT

Was haben Lamas und Alpakas mit guter Führung zu tun? Mehr, als man zunächst vermuten würde. Ein tiergestütztes Führungskräftetraining im Rahmen der Berlin Leadership Academy der Berlin University Alliance eröffnet wissenschaftlichen Führungskräften neue Perspektiven auf ihr eigenes Führungsverhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei keine Führungstheorien oder Fallbeispiele aus dem Hochschulalltag, sondern unmittelbare Erfahrungen, Selbstreflexion und ein erholsamer Spaziergang an der frischen Luft.

Ein Lama kennt weder akademische Titel noch institutionelle Hierarchien. Ob ihm eine Professorin oder ein Student gegenübersteht, spielt für das Tier keine Rolle. Es reagiert auf Körpersprache, Bewegungen, Nähe und Distanz. Genau das macht die Begegnung für die Teilnehmer*innen interessant: Gewohnte Rollen und Handlungsmuster verlieren ihre Selbstverständlichkeit und die Begegnung mit den Tieren bietet Anlass zu einer besonderen Lernerfahrung.

Führung unmittelbar erleben

Beim tiergestützten Führungskräftetraining verlassen die Teilnehmer*innen den gewohnten Seminarraum und begegnen Lamas und Alpakas auf einem Hof in der Natur. Eine qualifizierte Trainerin begleitet die Übungen und unterstützt dabei, die Erlebnisse zu reflektieren und dann auch auf konkrete Führungssituationen im Hochschulalltag zu übertragen.

Ein Teil des Workshops ist es z. B., ein Tier durch einen Parcours zu führen. Dabei zeigt sich schnell, dass sich Kooperation nicht erzwingen lässt. Eine Teilnehmerin erlebte etwa, dass ihr Lama Bakim wiederholt den Kopf schüttelte und nicht wie gewünscht mitlief. Erst als sie die Leine lockerte und Bakim mehr Freiraum gab, setzte er sich wieder in Bewegung. Eine andere Teilnehmerin musste feststellen, dass ihr Lama lieber Blätter fraß, als ihren Anweisungen zu folgen. Solche Situationen können irritieren, bieten aber wertvolle Anlässe, das eigene Führungsverhalten zu hinterfragen.

Was lernen Führungskräfte an Hochschulen?

Führung an Hochschulen ist häufig durch wissenschaftliche Autonomie und kollegiale Entscheidungsstrukturen geprägt. Umso wichtiger sind Kommunikation, Vertrauen und die Fähigkeit, Orientierung zu geben, ohne unnötig einzuengen. Im Umgang mit den Tieren werden genau diese Fragen erfahrbar: Wann braucht mein Gegenüber klare Signale, wann mehr Freiraum? Wie gehe ich mit Widerstand um? Und wie reagiere ich, wenn eine Situation anders verläuft als erwartet?

Das Training sensibilisiert für verbale und nonverbale Kommunikation, Empathie, Geduld und Selbstwahrnehmung. Es lädt dazu ein, zunächst aufmerksam zu beobachten, statt Verhalten vorschnell zu interpretieren oder kontrollieren zu wollen.

Was macht das Konzept besonders?

Das Besondere liegt in der Verbindung von erfahrungsorientiertem Lernen, unmittelbarer Begegnung und angeleiteter Reflexion. Die Tiere sind dabei keine Coaches, die Persönlichkeiten analysieren. Vielmehr schaffen sie ungewohnte Situationen, in denen Führungskräfte ihre eigenen Reaktionen und Verhaltensmuster bewusster wahrnehmen können.

Die Teilnehmer*innen schätzten an dem Tag besonders die Begegnung mit den Tieren, die Zeit in der Natur, den Austausch mit Kolleg*innen und die Möglichkeit, mal etwas Abstand vom Hochschulalltag zu gewinnen und auf die eigene Arbeitsweise zu blicken.

Ob solche Trainings das Führungsverhalten langfristig verändern, ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend belegt. Als Ergänzung zu klassischen Weiterbildungsangeboten eröffnen sie jedoch einen besonderen Erfahrungsraum: Führung wird nicht nur theoretisch betrachtet, sondern als Beziehung erlebt – mit all ihren Überraschungen, Herausforderungen und lustigen Momenten.

Über die Autorin

Christina Ayazi

Dr. Christina Ayazi ist Referentin der Berlin Leadership Academy (BLA) der Berlin University Alliance und an der Zentraleinrichtung Weiterbildung und Kooperation (ZEWK) der TU Berlin tätig. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Konzeption, Koordination und Begleitung von Weiterbildungsangeboten zur Führungskräfteentwicklung im Wissenschaftskontext.

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